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BTS im Weißen Haus

Der kürzliche Besuch von BTS im Weißen Haus hat einmal mehr gezeigt, dass der globale Einfluss der Gruppe weit über ihre Dominanz in den Musikcharts hinausgeht. Die Gruppe eröffnete das Pressebriefing des Weißen Hauses am 31. Mai, bevor sie für ein Gespräch mit Präsident Joe Biden ins Oval Office ging. Ihr Besuch bildete den Abschluss mehrerer Veranstaltungen der Biden-Präsidentschaft zum Gedenken an den AANHPI (Asian American Native Hawaiian Pacific Islander) Heritage Month und zur Bekämpfung des jüngsten Anstiegs von antiasiatischem Rassismus und Hassverbrechen. ARMY Magazine fasst die Bedeutung dieses historischen Moments zusammen.


Vorbereitungen für die Ankunft von BTS


Die Wirkung von BTS’ Besuch war schon deutlich, bevor das Septett am vergangenen Dienstag in passenden schwarzen Anzügen den Press Briefing Room des Weißen Hauses betrat. Der Raum war weitaus voller als sonst bei Pressekonferenzen im Weißen Haus. Über 310.000 Menschen schauten den YouTube-Livestream an (im Vergleich zu nur 16.000 bei der Pressekonferenz in der Vorwoche). Dieses Ausmaß an Engagement war beispiellos, aber nicht überraschend – schließlich wurde die Entscheidung der Präsidentschaft, die Jungs einzuladen, teilweise durch das gemeinsame Twitter-Statement der Gruppe aus dem Jahr 2021 inspiriert, in der sie antiasiatischen Rassismus verurteilte. Dieser war der am meisten retweetete Beitrag des letzten Jahres.


RM begann seine Rede auf Englisch, stellte die Gruppe vor und dankte der US-Regierung. Jedes der anderen Mitglieder schloss sich mit Anmerkungen auf Koreanisch an, die die Vielfalt von ARMY anerkannten, die vereinigende Kraft der Musik bestärkten und die Zuhörer:innen dazu ermutigten, „sich zu öffnen und all unsere Unterschiede anzunehmen“, um Gleichheit zu erreichen. Die Gruppe beantwortete keine Fragen, lächelte aber und verbeugte sich, als der Reporter William Moon „BTS Fighting!“ und „감사합니다 (Kamsahamnida / Dankeschön)“ rief, während sie den Saal verließen.


Die Kraft der Repräsentation


Moons Worte der Unterstützung sind zwar kurz, unterstreichen aber die tiefe Wirkung des Besuchs von BTS. In einem darauffolgenden Artikel erzählte der Journalist: „Ich war so bewegt, als ich sah, wie koreanische Sänger im Weißen Haus willkommen geheißen wurden, dass ich aufschrie“. Laute Ausrufe können dazu führen, dass Pressevertreter:innen für bis zu drei Jahre aus dem Besprechungsraum verbannt werden. Warum also hat der Auftritt von BTS einen professionellen Journalisten dazu gebracht, ein solches Risiko einzugehen?


Es kann schwierig sein, das Asiatisch-Sein in Amerika zu beschreiben, eine Existenz, die oft mit Kampf und Stolz verbunden ist. Natürlich gibt es nicht die eine „asiatisch-amerikanische“ Erfahrung; die Gemeinschaft ist bemerkenswert vielfältig, erst recht, wenn man die Ureinwohner:innen Hawaiis und die Pazifikinsulaner mit einbezieht. Was die AANHPIs jedoch mehr als alles andere zusammenbringt, ist ein gemeinsames Gefühl des „Andersseins“ in einem Land, das oft alle ausschließt, die nicht weiß sind. Fast alle asiatischen Amerikaner:innen sehen sich mit dem Paradoxon konfrontiert, dass ihnen gesagt wird, sie müssten sich „assimilieren“, indem sie ihre Sprache, ihr Essen und ihre Traditionen ablegen, während sie gleichzeitig wissen, dass sie, egal wie sehr sie das tun, immer noch gefragt werden: „Woher kommst du wirklich?“


Deshalb war es für viele asiatische Amerikaner:innen so beeindruckend, BTS im Weißen Haus zu sehen, wie sie ohne Umschweife Koreanisch sprachen, gerade weil ihre Arbeit die koreanische Kultur weltweit gefeiert und gefördert hat. In einer Zeit, in der viele Hassverbrechen auf der Annahme beruhen, dass alle Asiat:innen fremdländisch (und damit Leute, die das „China-Virus“ verbreiten) sind, sendet die Gruppe mit ihrer Anwesenheit eine starke Botschaft: Man muss nicht Englisch sprechen oder nicht einmal die amerikanische Staatsbürgerschaft besitzen, um in den Vereinigten Staaten etwas zu bedeuten und Gleichberechtigung zu verdienen.


Über Globalen Antirassismus


Allerdings gab es auch einige, die den Besuch der Gruppe skeptisch als reinen PR-Stunt betrachteten, da keiner der sieben Mitglieder sich als asiatischer Amerikaner identifiziert und alle in einem Land aufgewachsen sind, in dem die meisten Menschen ihre Identität und Kultur teilen. Es ist jedoch erwähnenswert, dass Gespräche über den amerikanischen Rassismus schon immer global geführt wurden und es auch weiterhin werden. Prominente antirassistische Befürworter:innen, von Martin Luther King Jr. bis Yuri Kochiyama, haben seit langem gezeigt, dass die Befreiung aller nur möglich ist, wenn die Unterdrückten in den Vereinigten Staaten sich mit denjenigen solidarisieren, die im Ausland für Gleichheit kämpfen. Sowohl diese beiden Anführer:innen als auch BTS selbst, haben darauf hingewiesen, dass viele der Strategien und größeren gesellschaftlichen Systeme, die den Rassismus in den Vereinigten Staaten ermöglichen, in anderen Ländern wiederholt werden, oft von denselben oder ähnlichen Unterdrückenden. Schließlich begannen die US-amerikanisch-koreanischen Beziehungen, als sich in den 1800ern „die selbsternannten desinteressierten und friedliebenden Amerikaner:innen in Korea vorstellten, indem sie das koreanische Volk töteten“, nachdem sie sich geweigert hatten, die koreanische Souveränität und Handelspolitik zu respektieren – ein Muster, das sich rund um den Globus wiederholt hat und weiterhin wiederholt.


Gleichheit „Yet to Come“ (dt. „Kommt erst noch“)


Amerika ist, wie viele andere Länder auch, ein kompliziertes Land. Die Ausrichtung der USA auf Freiheit und Gleichheit hat die Welt grundlegend verändert, aber Probleme wie der antiasiatische Rassismus sind nur die Spitze eines großen unterdrückerischen Eisbergs, in den die US-Regierung selbst tief verstrickt ist. Der Besuch von BTS stellt einen wichtigen ersten Schritt in Richtung Repräsentation dar, der hoffentlich mit wichtigen politischen Veränderungen einhergeht, die den asiatischen Amerikaner:innen, den Ureinwohner:innen Hawaiis und den pazifischen Inselbewohner:innen Ressourcen und Unterstützung im Inland und weltweit bieten.


Verfasst von: Mariko

Editiert von: Ren

Gestaltet von: Martina

Übersetzt von: Cece

Übersetzung editiert von: Annika & Lenamania


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